Über

Das Projekt | Joanne Leighton | Der Turm | Tovo+Jamil

 

Das Projekt

Eine echte Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen.“ (Marcel Proust)

Das Projekt DIE TÜRMER VON FREIBURG der Choreografin Joanne Leighton lädt die Bewohner der Stadt dazu ein, für eine Stunde ihren Alltag hinter sich zu lassen und neue Perspektiven zu gewinnen: Ab dem 20. Juni 2015 steht für 365 Tage ein Turm aus Holz und Glas auf dem Dach des Theater Freiburg. Jeden Tag bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang wird er für eine Stunde Schutzraum und Ausguck für je einen Besucher. Über der Stadt schwebend weitet sich der Blick entweder nach Osten über die Innenstadt auf den Schwarzwald oder nach Westen über die Dächer Freiburgs und die Rhein-Ebene auf die Vogesen. DIE TÜRMER VON FREIBURG treten aus dem Alltagsgeschehen, wachen über die Stadt und fragen sich: Wer bin ich in dieser Stadt und welchen Platz nehme ich in ihr ein?

„Es geht darum, an einem spezifischen Ort anwesend zu sein, Darsteller und zugleich Beobachter zu sein, seine Umgebung zu hinterfragen und eben auch seine Wahrnehmung. Seinen Blick zu öffnen, unendlich weit zu schauen, und in der Begegnung mit dem Gesehenen seinem Körper einen Platz zu schaffen. Darin besteht der Sinn dieser Performance, bei der jeder Teilnehmer die Grunderfahrung choreografischer Praxis macht: die Qualität von Präsenz. Diese eine Stunde macht es möglich, sich der Poetik des Augenblicks zu widmen. Es handelt sich um einen Moment jenseits der alltäglichen Verpflichtungen, es ist ein privilegierter Augenblick, den sich jeder Türmer selbst ermöglicht. Mit Leichtigkeit und ohne Stress zieht man sich aus der Welt zurück, ohne dabei zu vergessen, dass man Teil eines Projektes ist, das einer ganzen Bevölkerung und ihrem Lebensraum gewidmet ist.“ (Joanne Leighton)

Zu dem Projekt gehört es, dass jeder der 730 Türmer im Anschluss an seine Stunde auf dem Dach fotografiert wird und seine Gedanken oder Beobachtungen in ein Gästebuch schreibt. Am Ende des Freiburger Türmer-Jahres entsteht daraus eine Publikation.

Wie Sie Türmer werden und was Sie dafür tun müssen, erfahren Sie hier.

 

Joanne Leighton

Joanne-Leighton

Gemeinsam mit dem Australian Dance Theater in Melbourne gründete Joanne Leighton 1987 ihre erste Tanzkompanie. Es folgten weitere Stationen: London, Le Havre und Brüssel, wo sie Anne Teresa De Keersmaeker, Wim Vandekeybus und Michèle Anne De Mey kennenlernte. 1994 gründete sie ihre Kompanie Velvet. Sie unterrichtete an zahlreichen choreografischen Zentren und bei anderen Kompanien. Ihre pädagogische Arbeit führte 2008 zur Gründung ihres Projektes „Mobile“, einem Unterrichtsformat für Tänzer, Laien und Jugendliche. 2010 bis 2014 war Joanne Leighton künstlerische Leiterin des Centre Chorégraphique National de Franche-Comté à Belfort (CCNFC), in dem sie bereits 2004 das Stück „Display / Copy Only“ produzierte. Als Choreografin und Tänzerin ist Joanne Leighton vom SACD gefördert und produziert zahlreiche Stücke, u.a.: „Made in Taiwan“, „Easy Pieces“, „Surface“, „The End“, „Real Imitation“ und „Les Modulables“. Die künstlerische Praxis von Joanne Leighton basiert auf der Einbindung des Zuschauers und auf dem interdisziplinären Austausch von Choreografie und anderen Künsten. Am Theater Freiburg realisierte sie 2014 das trinationale und interdisziplinäre Laienprojekt „Melting Pot“ und machte in „Made in Freiburg“ Tanz zur gesellschaftlichen Bewegung. WLDN (Walden) ist seit 2014 Joanne Leightons Kompanie.

Das Format DIE TÜRMER VON …, im frz. Originaltitel „Les Veilleurs de …“, konzipierte und realisierte Joanne Leighton 2011 zum ersten Mal für die französische Stadt Belfort. Es folgten Rennes und Laval in der Bretagne sowie Haguenau im Elsass.

 

Der Turm

Der Turm steht an einem möglichst hoch gelegenen Ort in der Stadt. Er ist der Raum, in dem der Türmer eine Stunde lang über die Stadt und die Region wacht. Er wurde von dem Architekten-Team TOVO & JAMIL entworfen und wird für jeden Standort speziell gestaltet und neu gebaut. Der Türmer blickt aus dem Turm und ist zugleich von außen sichtbar. Während der Stunde der Wacht ist der Turm von innen und außen beleuchtet. Im Winter kann er beheizt werden. In Freiburg steht er auf dem Dach des Theater Freiburg. Der Zugang zum Turm ist für Rollstuhlfahrer mit einem nicht elektrischen Rollstuhl bis max. 80cm Rollstuhlbreite eingeschränkt möglich. Bei Bedarf kann hausseitig ein Rollstuhl mit entsprechender Breite bereit gestellt werden. Wir bitten um kurze Abstimmung unter: dietuermer@theater.freiburg.de

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Tovo+Jamil

Tovo+Jamil sind die Architekten Benjamin Tovo und Nounja Jamil. Beide haben ihr Studium an der Ecole Nationale Supérieure de Création Industrielle (ENSCI – les Ateliers) in Paris absolviert und unter dem französischen Architekten Jean-Paul Philippon gelernt. Das Duo interessiert sich für die Gestaltung des Raumes und hierbei im Besonderen für die Gestaltung des musealen Raumes, mit dem sich ihre aktuellen Projekte hauptsächlich befassen.

In Kooperation mit verschiedenen anderen Architekten, Szenographen oder Grafikern arbeiten Tovo+Jamil immer wieder an architektonischen Umgestaltungen sowie der Kreation temporärer oder permanenter Ausstellungen.Ihre anderweitigen Tätigkeiten als bildende Künstler und Lehrende ermöglichen ihnen ein besonders ganzheitliches Verständnis von Kreation, mit all ihren Abstufungen. Dieses breite Arbeitsspektrum und ihre Offenheit gegenüber neuen künstlerischen Projekten führte zur Zusammenarbeit mit der Choreografin Joanne Leighton, für deren Projekt „Die Türmer von…“ sie nun schon zum fünften Mal einen außergewöhnlichen Aussichtsturm entwerfen.